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Im Rheinischen Freilichtmuseum Kommern steht ein altes Fachwerkhaus aus unserem schönen Kessenich.

Das Haus wurde 1616 erbaut und stand bis zu seinem Abbruch 19Haus_Kessenich6.jpg58 auf dem Grundstück Burgstraße 25 (jetzt Burbacher Straße 152) als letztes Gebäude eines ehemaligen Vierseitshof.

Auffälligerweise stand das Haus nicht an der Straße, sondern an der Hofrückseite. Rechts war im rechten Winkel ein Stall angebaut, davor in gleicher Flucht und mit dem Giebel zur Straße die Scheune, an die sich in der Straßenfront ein Torhaus mit Stall oder Remise anschloß.

An der linken Hofseite stand ein weiterer, nicht mit den übrigen Gebäuden verbundener Stall. Hinter dem Haus lag ein großer Gemüsegarten. 1887 und 1909 wurden Wirtschaftsgebäude abgebrochen, 1909 an der Straßenfront ein neues Wohnhaus erbaut.

In seinem letzten halben Jahrhundert führte das Haus ein verstecktes Hinterhofdasein, bis es schließlich einer geplanten Neubebauung des Grundstücks mit Wohnhäusern weichen mußte.

Das Haus ist ein eingeschossiger, queraufgeschlossener, dreizoniger Fachwerkbau. Links vom Herdraum liegt die Stube, die rechte Zone ist in zwei Kammern unterteilt.

 

 

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Die Stube war unterkellert. Das Baujahr ist in den Türsturz eingeschnitten: ANNO 1616.

Das Fachwerk zeigt einige Besonderheiten. Es verfügt über ein engmaschiges, strebenloses Fachwerk, welches nicht nur auf eine Schauseite beschränkt ist - die das Haus bei seiner rückseitigen Lage gar nicht hatte -, sondern an drei Seiten angewandt. Nur der rechte Giebel, mit dem das Haus - offenbar seit jeher - auf der Grundstücksgrenze stand, hat Streben erhalten.

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Das Innere zeigt mit ebenerdiger Feuerstelle, hölzernem Rauchschlot und Takenplatte das gewohnte Bild.

Die 1621 datierte Takenplatte stellt Christi Himmelfahrt dar und stammt aus der Hütte Eisenschmitt in der Eifel. Der Tisch im Herdraum stammt aus Zülpich, der Milchschrank aus Oberdrees , die Tellerbank aus Schönecken.

In der Stube steht ein Tisch aus Arzdorf, eine Truhe aus Türnich, ein Bett aus Eicks, eine Wiege aus Bonn und eine Uhr aus Ersdorf bei Rheinbach.

Hausgeschichte:

1608 starb Caspar Backhaus, ackerer (Bauer) und Schöffe am Dingstuhl Dottendorf, dem für Kessenich zuständigen Ortsgericht. 1611 verließ seine Witwe den Hof und begab sich zu Verwandten ins Altenteil. Beide waren kinderlos; den Besitz erbten die nächsten Verwandten - Geschwister beider Eheleute bzw. deren Kinder - sowie andere Personen und Institutionen, die Caspar in seinem Testament bedacht hatte - Nachbarn, Freunde Mitschöffen, die Kirche, eine Armenstiftung usw. Zählt man die im Zusammnehang dieser Erbteilung namentlich genannten Personen zusammen, so sind es insgesamt 64, die durch Erbansprüche, testament, kauf oder Schenkung Anteile am ehemaligen Backhaus-Besitz erwarben.

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Der Hof kam in den Besitz einer Erbengemeinschaft ein Mitglied dieser Gemeinschaft verkaufte seinen anteil einem Peter Wissem, der bei der Auflösung des Gemeinschaftsbesitzes 1615 auch den Hofplatz erwarb. Er war es dann, der ein Jahr später das neue Haus baute. Wissem war offenbar nicht lange zuvor nach Kessenich zugezogen, hatte aber wohl bald genügend Landbesitz erworben, um hier eine eigene bäuerliche Haushaltung aufzubauen.

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Die meisten Besitznachfolger waren Schöffen. Auf den erbauer folgten noch drei Generationen wissem, dann durch Einheirat Windeck und dreimal Kemp, der letzte - Josef Kemp - war Gemeindevorsteher, Bürgermeister und Schulinspektor, eine in Kessenich offenkundig sehr angesehene Persönlichkeit. Ihm wurde das Haus bald zu klein, und 1864 baute er auf dem Gartengrundstück am damaligen Ortsausgang einen stattlichen Hof.

Unser Haus erwarb Caspar Ippendorf, Eisenbahnwärter und Nebenerwerbslandwirt. Er starb 1898, seine Witwe zog 1902 aus und 1909 verkaufte sie das Anwesen an den Kessenich-Dottendorfer Spar- und Darlehenskassen - Verein, Vorgänger

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der Bonner Vereinsbank, der in den 1980er Jahren Besitzerin des Grundstücks.

Seit 1902 war das Haus von Mietern, meist zwei Mitparteien, mit unter sogar noch einem dritten Untermieter, bewohnt. Während es im Äußeren fast unverändert blieb, wurde das Innere den veränderten Verhältnissen entsprechend um- und ausgebaut. Allein im Dachgeschoß befanden sich drei Sschlafkammern.

Als 1958 die Neubebauung des Grundstücks anstand, wurde das Haus abgebrochen und 1961 im Freilichtmuseum in Kommern wieder aufgebaut.

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Quelle: Museumsführer Rheinisches Freilichtmuseum Kommern 2011

Hier geht`s zum Bericht über 50 Jahre Haus Kessenich in Kommern...